Verfasst von: PMS | August 22, 2008

Alpbach 2008: Yamanaka dämpft Hoffnungen in induziert pluripotente Stammzellen

UTL: Druml für Liberalisierung der Stammzellenforschung

In seinem Vortrag während der Alpbacher Technologiegespräche 2008 relativierte der japanische Stammzellenforscher Shinya Yamanaka zu große Erwartungen in die induziert pluripotente Stammzellenforschung und daraus resultierender neuer Therapieansätze. Er betonte, dass sich induziert pluripotente und embryonale Stammzellen “lediglich“ ähneln, weshalb nicht von einer Gleichwertigkeit ausgegangen werden kann. Eine Vernachlässigung der „herkömmlichen“ Embryonalstammzellenforschung wäre daher ein Schritt in die falsche Richtung.

Die natürliche Funktion der Stammzellen konnte bis dato nicht erforscht werden. Als Errungenschaft kann aber die Verringerung des Risikos einer Teratombildung gegen Null ins Treffen geführt werden; ein wesentlicher Fortschritt in der Bekämpfung neurodegenerativer Erkrankungen. Hingegen bezweifelt Yamanaka, dass sich induziert pluripotente Stammzellen (ipS) in absehbarer Zeit zur Entwicklung von genetisch identischem Ersatzgewebe eigen würden, oder dass sich aus eigenen Gewebsteilen Organe (nach)züchten lassen.

Im Zuge der ipS-Revolution stellen sich nunmehr andere ethische Probleme. So steht nicht mehr der Themenkomplex rund um den Verbrauch von Forschungsembryonen im Mittelpunkt des ethischen Diskurses, sondern neue Dimensionen der künstlichen Humanreproduktion, sofern es gelingt ipS in Gameten umzuprogrammieren.

Für eine Liberalisierung der bzw Erlassung von österreichischen Gesetzen spricht sich neben dem Verefasser dieser Zeilen auch die Vorsitzende der Bioethikkommission beim BKA, Christiane Druml, aus, um die Wissenschaft mit einem Mehr an Rechtssicherheit auszustatten, wodurch auch die Attraktivität des Forschungsstandortes Österreich gesteigert würde. Während sie sich am Schweizer Modell orientieren will, bevorzuge ich eine Ausrichtung der Forschungspolitik nach den britischen Gesetze, dem Human Fertilisation and Embryology Act 1990 inkl den Human Fertilisation and Embryology (Research Purposes) Regulations 2001.

Nach Schweizer Recht dürfen überzählige IVF-Embryonen beforscht werden, die nicht  mehr zur Herbeiführung einer Schwangerschaft verwendet werden können. Die britischen Bestimmungen erweisen sich eine Spur liberaler. Von der zuständigen Behörde (Human Fertilisation and Embryology Authority) werden unter bestimmten Voraussetzungen Lizenzen gewährt, welche die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken bis zum 14. Tag post fertilisationem zulassen.

In Österreich ist die Forschung an überzähligen IVF-Embryonen gem § 9 Abs 1 FMedG unzulässig. Die Erzeugung von Embryonen mittels der Technik des Transfers einer somatischen Körperzelle in eine enukleierte Eizelle ist kurioserweise für Private – weil gesetzlich nicht geregelt – nach dem Grundsatz „in dubio pro libertate“ zulässig. Um den Anschluss an die internationale Spitze nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren, mache ich eindringlich auf den akuten politischen Handlungsbedarf aufmerksam.


Antworten

  1. [...] die Reprogrammierung adulter Stammzellen (induziert pluripotente Stammzellen, ipS; vgl bereits hier) die Gefahr der Teratombildung – darunter versteht man eine Tumorbildung aus den drei [...]

  2. [...] der Wissenschaften noch zu sehr eingeschränkt (vgl zu induziert pluripotenten Stammzellen [ipS] hier), weshalb parallel die embryonale Stammzellenforschung auch weiterhin zu forcieren ist [...]

  3. [...] bei ipS-Forschung In der Forschung mit ipS wurden jüngst neue Fortschritte gemeldet. Deutschen Forschern ist es gelungen, Nervenzellen mit [...]


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